Review aus der Ausgabe #42 von Legacy der Split CD.
Infestus & Lost Life "Split"

Den Anfang auf dieser Split-CD zweier deutscher Bands übernehmen INFESTUS mit vier Songs. Diese haben sich aggressiven Black Metal auf die Fahne geschrieben und ziehen diesen Stiefel auch durchweg gefällig durch. Dementsprechend bekommt man hier schwarze Tonkunst geboten, die größtenteils aggressiv über den Hörer hereinbricht, aber auch stimmungsvolle Passagen nicht missen lässt, in denen man mit gedrosselter Geschwindigkeit und dezenter Melodieerzeugung von der Gitarrenfraktion eine triste Apokalypsestimmung heraufbeschwört. Das Songwriting ist so variabel gehalten, wie es in den eng gesteckten Grenzen des Black Metals möglich ist und wartet mit sauber gesetzten Breaks und Tempovariationen auf, die das Material abwechslungsreich gestalten. Zwar geht INFESTUS in meinen Ohren noch ein bisschen die wirklich eigene Identität ab, da sie doch sehr strikt dem Schema folgen, allerdings machen sie das so solide und gekonnt, dass man die Band auf jeden Fall mal im Auge behalten sollte. Produktionstechnisch kommt man hier mit einem für eine Eigenaufnahme gut druckvollen, satten Sound daher.

Erst im letzten Heft lobte ich die neueste LOST LIFE-Veröffentlichung „Pessimistic Visions“ über den grünen Klee und auch hier ändert sich nichts an dem guten Eindruck, den das Solo-Projekt von Nephesus bisher bei mir hinterlassen hat. Dieser zelebriert Black Metal der alten Schule – rau und aggressiv, ohne Rücksicht auf Verluste, aber dennoch emotional berührend. Dies gelingt ihm auch wieder mit diesen fünf Tracks, auch wenn man soundtechnisch im Vergleich zum ersten Teil der CD etwas abfällt, da hier schon ein ordentliches Rauschen zu vernehmen ist, doch stört dies Anhänger des dreckigen Black Metal wohl wenig. So können diese Tracks genießen, die alle Gebiete zwischen apokalyptischer Highspeed-Raserei und eingängigem Midtempo erforschen und dabei sowohl kompromisslos aggressiv sind, den Hörer aber dennoch packen und mitreißen, was vor allem der beklemmenden, negativen Stimmung gedankt ist, die Lost Life kreiert und permanent zu intensivieren vermag. Für Fans von Hochglanzprodukten kann hier keine Empfehlung ausgesprochen werden, aber Anhänger der aggressiven, rohen Black Metal-Schule bekommen hier eine gute und eine sehr gute Band auf einer Split-CD mit fast 50 Minuten Material und allen Texten im Booklet offeriert, weshalb sich ein Besuch auf Infestus oder Lost Life auf jeden Fall lohnt. (DG)